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Michael Nagels alchemistische Elixiere  

Mit der Energie  der Metalle
Was ist Alchemie ?


Natürlich ist es in wenigen Worten eigentlich gar nicht möglich zu beschreiben, was Alchemie ist. Sie wirklich zu verstehen ist etwas, das dem Praktiker in jahrelanger Betrachtung und innigem Bemühen zuwachsen kann. Alchemie ist ein praktischer Weg der Erkenntnis der Zusammenhänge zwischen Stoff und Geist, im Kosmos und im Menschen. In einem Wort gesagt: Alchemie ist die Wissenschaft vom Leben und ein Weg der Selbsterkenntnis.


Begriff

Man kann bei dem Begriff der Alchemie vom Wortsinn, der aus dem Arabischen stammt, ausgehen. Im Deutschen haben wir darin die Worte „All” und „Chemie”, sozusagen Chemie des Weltalls, eine Chemie des „Alles”. Tatsächlich befaßt Al-Chemie sich mit den zeitlosen Gesetzen der Entstehung, der Verwandlung und Entwicklung des Kosmos in allen seinen Erscheinungsformen. Sie befaßt sich mit Schöpfung, Evolution und Erlösung. Sie ist d i e zeitlose Wissenschaft des Lebens schlechthin, so wie das Leben selbst Alchemie ist. Die Quellen ihrer Erkenntnis gehen weit zurück auf übersinnliche und göttliche Inspiration und werden auch heute durch diese letztlich nur lebendig erhalten bzw. wiederbelebt. Das ist die feste Überzeugung der Alchemisten. Jede Kultur hat ihre eigene alchemistische Tradition hervorgebracht bzw. entwickelt. Bekannte und noch relativ intakte Traditionen findet man in der tibetischen, indisch-ayurvedischen und z.T. in der chinesischen Medizin. Auch wieder bei den Indianern und anderen schamanistischen Praktiken.


Geschichte und Christentum

Die europäische Alchemie leitete sich vor allem über das Griechentum und Rom von den Ägyptern her. In Gestalten wie Merlin verschmolz diese Tradition zu Beginn der christlichen Zeit mit dem alten Druidentum. Hermes Trismegistos, der auch als der Gott Thot angesehen wird, war der Begründer der ägyptischen Mysterienkultur. Von ihm leitet sich die europäische Alchemie her.

Hermes wird die Tabula smaragdina zugeschrieben, jenem Ur-Testament der Alchemisten, das u.a. das ewige Analogiegesetz „wie oben, so unten, wie innen so außen” erstmals beschreibt. Nach Legenden soll diese Tafel Bestandteil jenes Steines sein, der später über die Juden zu Joseph von Arimathea als die Schale gekommen ist, in der Christi Blut aufgefangen worden ist und die später als „der Gral” wieder auftauchen sollte. Der Ursprung dieser Schale wiederum sei die Krone Luzifers, wovon sie ein Zacken war, bevor sie bei Luzifers Kampf mit Michael auf die Erde fiel.

Bevor die Alchemie in Europa durch die neuzeitlichen Entwicklungen verdrängt wurde, hatte sie eine Höhe erreicht, von der bis heute insbesondere die gothische Architektur aber auch die Kunst Zeugnis ablegen können. Die kulturelle Blüte des Hochmittelalters ist vorrangig der Alchemie und ihren universellen Forschungsbestrebungen zu verdanken.

Erst später verfinsterte sich dieses Bild zu der Vorstellung, die wir heute noch vom Mittelalter haben mit Erscheinungen wie der Inquisition.

Bis zur Zeit Goethes kann man indes den bestimmenden Einfluß der Alchemie auf die europäische Geisteskultur nachweisen. Maßgebliche Prägung erhielt diese durch das Mönchstum, insbesondere die Dominikaner und die Zisterzienser. Das war zugleich die christliche Prägung der Alchemie, ihr Verschmelzen mit der Gralslegende (Stichwort: Templerorden und sein Gründer: der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux) einerseits und der christlichen Mystik andererseits.

Für letzteres steht z.B. Hildegard von Bingen, die ihrereseits eine Verehrerin Bernhard von Clairveaux‘ war, und später der Schuhmacher und Mystiker Jakob Böhme, der „philosophus teutonicus” sowie der Mystiker Angelus Silesius, dessen Texte noch heute in Kirchenliedern zu finden sind: „Klar ist der Leib, klar wie Kristall, Rubinen gleich die Wunden all. Die Seel’ durchstrahlt ihn hell und rein, wie tausendfacher Sonnenschein, Halleluja!”

Zu nennen sind hier weiter vorrangig Namen wie Albertus magnus, Thomas von Aquin, ausgewiesene Kenner der Alchemie; auch Meister Eckhart, Alanus ab Insulae und andere. Einer der berühmten Adepten der Alchemie war der Benediktinermönch Basilius Valentinus, dem „Der Triumphwagen des Antimon” zugeschrieben wird.
Andere wie Nikolaus Flamel und Raimundus Lullius suchten und fanden ihre Einweihung auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella, der sowohl ein Weg der Steinkünstler und Bauleute, als auch der Alchemisten war. Ihrer aller Schutzpatron war der heilige Jakob, ebenso wie der Erzengel Raffael, der auch Patron der Wanderer, Pilger, Ärzte und eben auch der Alchemisten war bzw. ist.